BESONDERS NICHT BESONDERS

Halbzeitbetrachtungen

Books on Demand
ISBN 978-3-8370-3738-8, Paperback, 264 Seiten

EUR 17,90

Klappentext des Buches

Der Held und Ich-Erzähler Nikolaus wird 1968 in der Österreichischen Provinz geboren und durchlebt einen Kosmos, der jenseits der medialen Rezeption und hisorischen Verklärung stattfindet. Ein eigenwilliger und kritischer Blick auf sich und seine Umwelt, Humor als Waffe gegen die Widrigkeiten des jungen Lebens, die vergebliche Suche nach der Angepasstheit, skurrile Situationen präzise und schonungslos dargestellt. Der Autor zeichnet ein Bild eines Jungen, einer Familie, einer Umgebung, die gewöhnlicher und dadurch ungewöhnlicher nicht sein könnten.

Kenntnisse der Österreichischen Sprache sind hilfreich, aber nicht Voraussetzung beim Lesen des Buches…

Das vorliegende Buch ist sehr stark autobiographisch und Österreichisch. Es stellt eine recht bunte Lebensgeschichte eines aufgeweckten Durchschnittsmenschen dar. Vierzig Jahre braucht der Protagonist, um zumindest ziemlich sicher zu sein, seinen Platz und seinen Weg gefunden zu haben.

Die Vorlage steht auch stellvertretend für eine Betrachtung der 1970er und 1980er abseits der gängigen medialen Rezeption und Darstellung. Ödenthal, irgendwo in der Steiermark, der Heimatort des Erzählers Nikolaus, steht stellvertretend für Ortschaften, die abseits von Weltgeschehen, Berühmtheiten, großen Katastrophen oder wie immer gearteter Bedeutung über die Zeiten hinweg bestehen, also für die Mehrheit aller Heimatorte der Menschheit. Die Ödtenthaler sind sich dessen natürlich nicht bewusst, ihre Existenz ist die gelebte Normalität.

Nikolaus entwickelt früh eine kritische und skeptische Perspektive seiner Umwelt gegenüber, nicht ohne dabei aber ständig von der Sehnsucht geplagt zu werden, dazugehören zu wollen. Diese Sehnsucht bleibt jedoch unerfüllt, dem Dilemma begegnet er mit der Vermutung, ausgesprochen besonders zu sein, und deshalb nicht vollständig kompatibel mit seiner Umwelt zu sein. Ständig vergleicht er sich mit anderen und findet so gut wie nur Unterschiede und Anschauungsdifferenzen.

Dabei erweist er sich als genauer und kritischer Beobachter seiner Umwelt, der er durchwegs offen, aber auch starrköpfig, dafür humorvoll entgegengeht. Die 1970er sind nicht von Hippies, Drogen, RAF und Glockenhosen geprägt, sondern voll skurriler, optimistischer, nicht nostalgischer, mitunter auch tiefgründiger Eindrücke und Episoden, die eine Idylle und Normalität wiederaufleben lassen, wie sie viele erlebt haben, und wie wir sie nie wieder erleben werden.

Nikolaus geht angepasst unangepasst durchs Leben, er fällt nicht auf, hält nach außen ein möglichst glattes und unscheinbares Bild aufrecht, im Inneren empfindet er sich meist unverstanden und nicht entsprechend gewürdigt. Der schulischen Ausbildung ist ein guter Teil des Buches gewidmet mit einer durchaus kritischen Betrachtung der Lehrerschaft und des Schulalltags, nicht beleidigt und voll Rache, aber immer selbstkritisch.

Nikolaus hat Freunde, eine intakte Familie, ein normales soziales Leben, und wenig Vorstellung, wie seine Zukunft aussehen wird. Sein Gefühlsleben steht in der Pubertät Kopf, seine Lieben bleiben notorisch unerfüllt, ein Umstand der ihn ständig beunruhigt und zur Hinterfragung möglicher Ursachen zwingt. Er maturiert, absolviert das Bundesheer, wird Autoverkäufer – zum Entsetzen seiner Eltern, die unbedingt wollen, dass er es einmal besser haben möge – verweigert das Studium, begibt sich einer unglücklichen Liebe wegen auf eine UN-Auslandsmission, die eine Zäsur in seinem Leben darstellt.

Nach dem Einsatz beginnt er mit einer neuen Ausbildung, wird von der richtigen Partnerin gefunden, hat beruflich in verschiedenen Stationen Erfolg, endlich scheint sein Glauben an das Besondere in ihm Wahrheit geworden zu sein. Eine berufliche Katastrophe, der Verlust seines gewohnten Erfolgs schließlich öffnen ihm die Augen und lassen ihn erkennen, wie falsch er gelegen hat. Anstatt der Midlife-Crisis eine Midlife-Erkenntnis.

Der Leser wird auf eine unterhaltsame, teilweise skurrile Reise durch die 1970er und 1980er Jahre genommen und wird sich in manchen Bildern selbst erkennen, so er die Jahre selbst erlebt hat, jüngere Leser werden eventuell über schräge Blickwinkel auf die Jugendjahre ihrer Eltern schmunzeln. Das Buch hebt keinen Zeigefinger und wird trotzdem manche Einsicht vermitteln. Und sei es die, dass man sich freuen kann, in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort mit anderer Persönlichkeit geboren worden zu sein.


3 Antworten zu „BESONDERS NICHT BESONDERS“


  1. 1 Rainer
    18. November 2009 um 17:35

    Hallo Herr Schlögl,

    ich bin zufällig auf ihr Buch „Besonders nicht besonders“ gestoßen und habe es dann in einem Zug ausgelesen.

    Gratulation zu diesem Wurf: Witzig, geistreich, zweideutig, BESONDERS!

    Ich freue mich auf „Senf dazu“,
    viele Grüße
    Rainer

  2. 2 Reinhard
    20. November 2009 um 08:18

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass Herr Schlögl in Admont zur Schule ging (= Beiberg) und in Selzthal (= Ödenthal) lebt(e). Da mir ein ähnliches Schulschicksal zu Teil wurde, habe ich mich erstens köstlich amüsiert und zweitens selbst teilweise wiedergefunden. Vergnügliche Stunden mit einem witzigen Buch!

    • 3 Richard
      20. November 2009 um 08:22

      Ich war nicht in Admont, und habe mich trotzdem wunderbar amüsiert während der Lektüre. Schlögl ist es gelungen, mich an meine Jugend zu erinnern und eine Zeit wiederaufleben zu lassen, die ich aus diesem Blickwinkel lange nicht mehr betrachtet habe. Wunderbare die skurrilen Geschichten aus der Familie!


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